So smart sind Unternehmen der Zukunft

Moderne und fortschrittliche Unternehmen denken nicht mehr über Zukunftsthemen nach, sondern setzen diese bereits erfolgreich um. Ein Beispiel: Die Fortschritte des führenden Herstellers von Schliesssystem- und Schlosstechnik ASSA ABLOY im Bereich des grossen Industrie 4.0 Themas „Smart Factory“. Was das genau bedeutet und wie das Unternehmen seine Zukunftsvision einer intelligenten und selbstkoordinierenden Produktion an allen drei Standorten in der Schweiz etabliert, erzählt Aristidis Kotarelas, Chief Operating Officer bei der ASSA ABLOY (Schweiz) AG im Interview.

Frage: Was heisst Smart Factory eigentlich? Können Sie das kurz erklären?

Aristidis Kotarelas: Am besten lässt sich der Begriff Smart Factory mit ‚intelligenter und vernetzter Fabrik‘ übersetzen. Im Zusammenhang mit den Entwicklungen von Industrie 4.0 ist das Ziel, eine Produktionsumgebung zu schaffen, die sich selbst organisiert. Per Definition bestimmen in einer Smart Factory selbstständig koordinierende und miteinander vernetzte Systeme die gesamte Fertigung eines Produkts, bis hin zur Wartung der Systeme. Der Produktionsprozess wird dadurch sehr transparent, wesentlich effizienter und reproduzierbarer. Über die intelligente Vernetzung von Fertigungsanlagen, werden Informationen über bestimmte Systeme für die Steuerung der einzelnen Fertigungsschritte bis zum Endprodukt direkt miteinander ausgetauscht. Das ermöglicht den verantwortlichen Mitarbeitenden zudem die Überwachung, Dokumentation und Koordination der gesamten Fertigung in Echtzeit.

Frage: Ganz pragmatisch – Wie sind Sie dieses komplexe Thema bei ASSA ABLOY konkret angegangen?

Aristidis Kotarelas: Komplex ist das richtige Wort – denn es ist gar nicht so einfach die Ideen einer Smart Factory an drei unterschiedlichen Standorten wie bei uns in der Schweiz umzusetzen. Automatisierung an sich ist die eine Seite einer Smart Factory. Diesbezüglich schreiten wir an allen drei Standorten voran. Das Vernetzen der Anlagen und die Auswertung und richtige Interpretation der Datenmenge, die man mit smarten Produktionsprozessen erhebt, ist die andere Seite. Es braucht sozusagen ein ‚Gehirn‘, das diese ganzen Informationen sinnvoll bündelt und weiterverarbeitet um letzendlich die Anlagen zu steuern. Einem solchen Mastersystem sind wir aktuell in Richterwil am nächsten. Das Ganze ist ein ständiger Work-in-progress bei dem viel Expertise und Know-how gefragt ist.

Frage: Wann haben Sie konkret mit den ersten Massnahmen in Richtung Smart Factory gestartet?

Aristidis Kotarelas: Am weitesten fortgeschritten sind wir an unserem Standort in Richterswil. Die KESO Schliesssysteme und Zutrittskontrollen haben sich im Zuge der industriellen Fortschritte innerhalb der Branche schon immer kontinuierlich weiterentwickelt. Neben der Reduktion der Fertigungstiefe am Standort Richterswil, verlief das sukzessive hin zu immer moderneren und effizienteren Produktionsprozessen. Mit Automation und Operation Excellence haben wir uns in Richterswil also schon vergleichsweise früh beschäftigt. Erste Überlegungen wurden ab 2013 konkreter. Dazu haben wir genau geprüft, welche wertschöpfenden Tätigkeiten sich gut automatisiern lassen und daraus verschiedene Business-Cases erstellt. Ab 2015 nahmen wir dann bei KESO bereits die erste vollautomatische Fertigungsanlage in Betrieb. Heute ist die Produktion in Richterswil weitgehend automatisiert, bis auf einige Fertigungsschritte, die nicht automatisiert werden können.

Auch bei MSL in Kleinlützel und bei Planet in Tagelswangen geht die Entwicklung voran. Seit 2016 haben wir bei MSL den ersten kollaborativen Roboter im Einsatz. Inzwischen sind etliche weitere Roboter und Automationen dazugekommen, die nun durch unser hochversiertes Automation-Team sogar intern gebaut werden. Ein weiterer Schritt in Richtung ‚Vernetzung‘ und somit in Richtung Smart Factory, war die Inbetriebnahme eines vollautomatisierten Hochregallagers (Vertical Buffer Modul), welches nun mit unseren AGV’s (Automated Guided Vehicles) vernetzt wurde und dadurch die Bevorratung der benötigten Halbfabrikate an unseren Montageplätzen automatisch und effizient sicherstellt. In Tagelswangen wiederum machen wir erste gute Erfahrungen im Bereich der Automatisierung unserer Verpackungsprozesse und auch in unserer Stanzabteilung.

Wie sich die implementierten Massnahmen für die Kunden auszahlen und wo die Entwicklungen bei ASSA ABLOY noch hingehen sollen, erfahren Sie im zweiten Teil der Blogreihe.