So smart sind Unternehmen der Zukunft (Teil 2)

Der frühe Vogel fängt den Wurm, heisst es – Wer schon zu den Anfängen des Industrie 4.0 Themas auf die Entwicklung von smarten Produktionsprozessen im eigenen Unternehmen gesetzt hat, profitiert meist schon jetzt von Wettbewerbsvorteilen. Denn die Etablierung einer Smart Factory ist ein ständiger Work-in-Progress, der viel Zeit, Expertise und Know-how benötigt. Dass das sehr gut funktionieren kann, zeigt ein Blick hinter die Kulissen beim führenden Hersteller von Schliesssystem- und Schlosstechnik in der Schweiz. Im zweiten Teil unserer Blogreihe berichtet Aristidis Kotarelas, Chief Operating Officer bei der ASSA ABLOY (Schweiz) AG, wie sich die intelligente und selbstkoordinierende Produktion an den drei Unternehmensstandorten für die Kunden auszahlt und wo die Entwicklung noch hingehen soll.

Frage: Inwiefern wirkt sich ein automatisierter Produktionsprozess als Kundenvorteil heraus?

Aristidis Kotarelas: Zunächst einmal stellen diese Modernisierungsschritte für uns als Unternehmen eine äusserst wichtige Massnahme zur Standortsicherung innerhalb der globalisierten Industriewelt dar. „Swiss made“ ist immer noch ein starkes Qualitätskriterium, unsere Kunden profitieren also allein schon dadurch, dass wir in der Schweiz – nahe bei unseren Kunden – mit diesem hohen Qualitätsanspruch produzieren und uns als Unternehmen zukunftssicher aufstellen und weiterentwickeln. Der zweite Punkt ist, dass eine automatisierte Produktion sehr effizient ist. Sie erreichen mit der entsprechenden Technologie eine durchgängig reproduzierbare und hohe Qualität und meist auch kürzere Durchlaufszeiten. Bei KESO in Richterswil sind unsere automatisierten Produktionsprozesse weit fortgeschritten und bereits sehr gut etabliert. Ein weiterer wesentlicher Kundenvorteil ist die Möglichkeit, schnell und flexibel auf entsprechend hohe Auslastungsspitzen zu reagieren, indem wir die Kapazität erhöhen, z. B. durch eine zweite Schicht. Früher war das in dieser Kurzfristigkeit unmöglich umzusetzten bei der Anzahl an manuellen Arbeitsschritten und dem dazu benötigten Personal. Das kommt sehr gut an, weil auch unsere Kunden damit insgesamt kurzfristiger und agiler handeln können.

Frage: Kürzere Lieferzeiten, höhere Flexibilität im Prozess. Beeinflusst diese Geschwindigkeit nicht auch die Aufgabenstellungen der Teams?

Aristidis Kotarelas: Natürlich bringt eine Smart Factory Veränderungen der Arbeitsprozesse mit sich. Am deutlichsten wird das an den neuen Expertisen und Jobspezialisierungen, die aufgrund der Digitalisierung und zur Bewältigung der dadurch entstehenden neuen Aufgabestellungen notwendig werden. Wir haben dazu Experten in den eigenen Reihen aus- und weitergebildet und an neuralgischen Positionen mit externen Daten- und oder IT-Spezialisten ihres Fachs die Teams erweitert. Diese Vorgehensweise hat sich gut bewährt und wir werden das auch weiter so fortsetzen.

Frage: Legen Sie jetzt also sprichwörtlich den Schalter in der Produktion einfach auf „smart“ um, wenn Sie neue Ideen umsetzen wollen, oder wie muss man sich das vorstellen?

Aristidis Kotarelas: Wir operieren nicht am offenen Herzen, falls das gemeint ist. Um neue Ideen und Einstellungen auszuprobieren, verwenden wir zunächst immer ein Back-up bzw. Testsystem. Ein Software-Update oder auch ein neuer Produktionsschritt geht erst live, wenn er getestet wurde, unserem eigenen Sicherheits- und Qualitätsanspruch genügt und sich nahtlos in die bestehende Produktionskette einfügen lässt. Nur so werden wir – auch langfristig gesehen – dem Anspruch unserer Kunden gerecht. Denn diese interessieren sich sehr für Automationen von ASSA ABLOY und erwarten zurecht höchste Präzision und langlebige Qualität „Made in Switzerland“.